Wie werden Anwaltskosten nach Streitwert berechnet?
ƒRVG-Kosten aus Gegenstandswert
K=(G1,0(W)×F−Aanrechnung)+P+U
Variablen
W
Gegenstandswert-Kostenrechtlicher Wert der anwaltlichen Angelegenheit.
G1,0
Einfache RVG-Gebühr-Tabellengebühr nach § 13 RVG und Anlage 2 RVG.
F
Gebührenfaktoren-Geschäfts-, Verfahrens-, Termins-, Einigungs- und Mehrvertretungsanteile.
Aanrechnung
Anrechnung-Teilweise Anrechnung einer vorherigen Geschäftsgebühr auf die gerichtliche Verfahrensgebühr.
P
Auslagenpauschale-Pauschale für Post und Telekommunikation, im Modell bis 20 € je Angelegenheit.
U
Umsatzsteuer-Umsatzsteuer auf Gebühren und Auslagen, wenn sie berücksichtigt wird.
Beispielrechnungen nach Streitwert
Die Beispiele zeigen eigene Anwaltskosten nach RVG mit Auslagenpauschale und 19 % Umsatzsteuer. Gerichtskosten, gegnerische Anwaltskosten und Honorarvereinbarungen sind nicht enthalten.
Fall
Gegenstandswert
Phase
Eigene Kosten brutto
Zahlungsforderung
10.000,00 €
1,3-Geschäftsgebühr
1.032,44 €
Unterlassung mit Einigung
20.000,00 €
Geschäftsgebühr plus Einigung
2.929,30 €
Herausgabe vor Gericht
50.000,00 €
Gericht mit Termin und Anrechnung
5.134,31 €
Feststellung mit Vergleich
85.000,00 €
Gerichtlicher Vergleich, zwei Mandanten
9.405,31 €
Stand der RVG-Tabelle. Anlage 2 RVG in der Fassung ab 01.06.2025. Die Beispiele runden auf Cent.
Häufig gestellte Fragen zum Anwaltskosten-Streitwert-Rechner
Was berechnet der Anwaltskosten-Streitwert-Rechner?
Der Rechner schätzt die eigenen Anwaltskosten nach RVG, wenn die Gebühren vom Gegenstands- oder Streitwert abhängen. Er trennt Streitwert, weitere eigenständige Anträge, Verfahrensphase, Einigung, Anrechnung, Auslagen, Umsatzsteuer und Erstattung. Dadurch siehst du, aus welchen Gebührenblöcken der Betrag entsteht.
Was ist der Unterschied zwischen Streitwert und Gegenstandswert?
Im Alltag wird oft Streitwert gesagt, im RVG ist häufig vom Gegenstandswert die Rede. Gemeint ist der kostenrechtliche Wert der anwaltlichen Tätigkeit. Bei einer Klage setzt ihn oft das Gericht fest. Außergerichtlich muss er aus Forderung, Interesse oder Bewertung hergeleitet werden.
Warum reicht der Forderungsbetrag nicht immer aus?
Bei einer reinen Zahlungsforderung ist der Hauptbetrag ein guter Startpunkt. Bei Unterlassung, Feststellung, Herausgabe oder mehreren Anträgen ist der wirtschaftliche Wert weniger direkt. Dann kann derselbe Sachverhalt kostenrechtlich anders bewertet werden, als es der Blick auf eine einzelne Rechnung vermuten lässt.
Wie wirkt sich ein Vergleich auf die Anwaltskosten aus?
Ein Vergleich kann eine Einigungsgebühr auslösen. Außergerichtlich ist diese im Modell höher angesetzt als im gerichtlichen Vergleich. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass ein Vergleich teuer ist. Er kann weitere Termine, Beweise oder Instanzen vermeiden und dadurch das Gesamtrisiko senken.
Warum wird bei gerichtlichen Verfahren eine Anrechnung gezeigt?
Wenn der Anwalt zuerst außergerichtlich tätig war und später Klage erhoben wird, wird ein Teil der Geschäftsgebühr auf die gerichtliche Verfahrensgebühr angerechnet. Der Rechner zeigt diesen Abzug separat, damit die außergerichtliche Vorarbeit nicht doppelt so wirkt, als würde sie vollständig zusätzlich entstehen.
Was bedeutet Mehrvertretungszuschlag?
Vertritt eine Anwältin oder ein Anwalt mehrere Auftraggeber in derselben Angelegenheit, kann sich die Geschäfts- oder Verfahrensgebühr erhöhen. Das passt nur bei gleichgerichteten Interessen. Wenn Beteiligte gegensätzliche Ziele haben, ist eine gemeinsame Vertretung oft ausgeschlossen oder zumindest problematisch.
Sind Gerichtskosten im Ergebnis enthalten?
Nein. Die Hauptsumme zeigt die eigenen Anwaltskosten nach RVG. Gerichtskosten folgen dem GKG und hängen ebenfalls vom Streitwert ab. Wenn ein Prozess verloren oder nur teilweise gewonnen wird, können außerdem gegnerische Anwaltskosten hinzukommen.
Welche Rolle spielt die Rechtsschutzversicherung?
Eine Rechtsschutzversicherung senkt den Eigenanteil nur, wenn sie für genau diese Angelegenheit Deckung zusagt. Selbstbeteiligung, Ausschlüsse, Wartezeit und Kostenzusage müssen vorher geklärt sein. Ohne schriftliche Zusage solltest du den Erstattungswert im Rechner lieber nicht ansetzen.
Wann sollte ich den Streitwert prüfen lassen?
Eine Prüfung lohnt sich bei hohen Werten, mehreren Anträgen, Unterlassung, Feststellung, Immobilien, Unternehmensbezug oder unklarer wirtschaftlicher Bedeutung. Kleine Änderungen am Streitwert können die Gebührentabelle in eine andere Stufe bringen und das Kostenrisiko spürbar verändern.
Warum kann eine Vergütungsvereinbarung abweichen?
Das RVG ist nicht immer die einzige Abrechnungsgrundlage. Bei einer Vergütungsvereinbarung können Stundensatz, Pauschale, Mindesthonorar oder besondere Reise- und Auslagenregeln vereinbart werden. Dann ist der Rechner nur noch Vergleichsmaßstab, nicht die tatsächliche Rechnung.
Warum kann die echte Kostennote anders aussehen?
Die echte Kostennote hängt von Auftrag, Wertfestsetzung, mehreren Angelegenheiten, Terminen, Vergleich, Auslagen, Umsatzsteuer, Deckungszusage und Kostenentscheidung ab. Der Rechner ist deshalb eine transparente RVG-Orientierung. Eine verbindliche Prüfung ersetzt er nicht.