Wie berechnet der Anwaltskosten-Arbeitsrecht-Rechner die RVG-Kosten?
ƒArbeitsrechtlicher Streitwert und RVG-Kosten
W=G×m+L+Z,K=(R(W)×F+P+U)−E
Variablen
W
arbeitsrechtlicher Streitwert-Kostenrechtlicher Wert aus Bestandsschutz, Zahlungsforderungen und weiteren Anträgen.
G
Bruttomonatsgehalt-Monatliches Bruttogehalt als Basis für Bestandsschutz- und Kündigungsschutzthemen.
m
Monatsfaktor-Anzahl der Monatsgehälter, die für den Wert angesetzt werden.
L
Zahlungsansprüche-Lohn, Bonus, Urlaubsabgeltung oder andere bezifferte Forderungen.
Z
weitere Anträge-Eigenständige Werte für Zeugnis, Abmahnung oder sonstige Anträge.
R
RVG-Gebühr-Einfache Gebühr nach § 13 RVG und Anlage 2 RVG.
Beispiele für Anwaltskosten im Arbeitsrecht
Die Beispiele zeigen eigene Anwaltskosten nach RVG mit Auslagenpauschale und 19 % Umsatzsteuer.
Fall
Streitwert
Phase
Gebühren netto
Eigenanteil
Kündigungsschutz mit Vergleich
11.000,00 €
Gericht mit Termin und Vergleich
2.474,50 €
2.968,46 €
Lohnforderung mit Deckung
6.000,00 €
Außergerichtliche Vertretung
538,20 €
164,26 €
Klage ohne Vergleich
14.400,00 €
Gericht mit Termin
1.905,00 €
2.290,75 €
Stand der RVG-Tabelle. Anlage 2 RVG in der Fassung ab 01.06.2025. Die Beispiele ersetzen keine Streitwertfestsetzung.
Welche Streitwertbestandteile der Rechner trennt
Arbeitsrechtliche Kosten werden genauer, wenn Bestandsschutz, Zahlungsansprüche und Nebenanträge nicht vermischt werden.
Bestandteil
Wirkung
Hinweis
Bruttomonatsgehalt
Basis für den Gehaltswert
Im Standardbeispiel 3 Monatsgehälter
Monatsfaktor
Erhöht oder senkt den Gehaltswert
Bei Kündigungsschutz häufig ein zentraler Werttreiber
Lohn, Bonus oder Urlaub
Addiert bezifferte Zahlungsansprüche
Nur offene Forderungen eintragen, die nicht schon im Gehaltswert stecken
Zeugnis oder Abmahnung
Kann weitere selbständige Werte addieren
Nur mit belastbarer Wertannahme ansetzen
Schutz oder Erstattung
Senkt den rechnerischen Eigenanteil
Rechtsschutz und Gewerkschaftsschutz getrennt von den Gebühren denken
Arbeitsgericht, Vergleich und Kostentragung
Im Arbeitsrecht ist die eigene Anwaltsrechnung oft wichtiger als die Frage, wer am Ende gewinnt.
Thema
Kostenwirkung
Einordnung
Erster Rechtszug
Eigene Anwaltskosten bleiben grundsätzlich bei jeder Partei
§ 12a ArbGG ist deshalb im Rechner als Warnhinweis sichtbar
Außergerichtliche Tätigkeit
Geschäftsgebühr plus Auslagen und Umsatzsteuer
Kann bei späterem Gerichtsverfahren teilweise angerechnet werden
Gerichtstermin
Verfahrensgebühr und regelmäßig Terminsgebühr
Der Rechner trennt Termin und Vergleich sichtbar
Vergleich
Kann eine Einigungsgebühr auslösen
Abfindung und Kosten sollten gemeinsam bewertet werden
Rechtsschutz oder Gewerkschaft
Reduziert den Eigenanteil nur bei tatsächlicher Deckung
Selbstbeteiligung und Ausschlüsse bleiben außerhalb der RVG-Gebühr
Häufig gestellte Fragen zum Anwaltskosten-Arbeitsrecht-Rechner
Was berechnet der Anwaltskosten-Arbeitsrecht-Rechner?
Der Rechner schätzt die eigenen Anwaltskosten nach RVG für arbeitsrechtliche Mandate. Er kombiniert Bruttomonatsgehalt, Monatsfaktor, Zahlungsansprüche, weitere Anträge, Verfahrensphase, Auslagen, Umsatzsteuer und Schutz durch Rechtsschutz oder Gewerkschaft.
Warum fragt der Rechner nach dem Bruttomonatsgehalt?
Bei Bestandsschutz- und Kündigungsschutzthemen wird der Wert häufig aus mehreren Bruttomonatsgehältern abgeleitet. Das Gehalt ist deshalb ein besserer Startpunkt als ein allgemeiner Betrag ohne arbeitsrechtlichen Bezug.
Wann sollte ich Lohn, Bonus oder Urlaubsabgeltung zusätzlich eintragen?
Trage solche Ansprüche ein, wenn sie als eigene Zahlungsforderung im Raum stehen. Wenn derselbe Betrag schon im Gehaltswert steckt, sollte er nicht noch einmal addiert werden. Sonst wird der Streitwert künstlich zu hoch.
Was bedeutet der Wert für Zeugnis oder Abmahnung?
Zeugnis, Abmahnung, Weiterbeschäftigung oder andere Anträge können eigene Werte haben. Trage solche Werte nur ein, wenn sie neben dem Hauptthema kostenrechtlich selbständig zählen und eine belastbare Wertannahme vorliegt.
Warum ist § 12a ArbGG im Arbeitsrecht so wichtig?
Im ersten Rechtszug vor dem Arbeitsgericht besteht grundsätzlich kein Anspruch auf Erstattung der eigenen Anwaltskosten durch die Gegenseite. Auch ein gewonnener Prozess bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die eigene Rechnung verschwindet.
Was ändert ein Vergleich an den Anwaltskosten?
Ein Vergleich kann eine Einigungsgebühr auslösen. Das erhöht die Gebührenseite, kann aber wirtschaftlich trotzdem sinnvoll sein, wenn Abfindung, Zeugnis, Fristen, Prozessrisiko und Zeitgewinn zusammen betrachtet werden.
Wann passt die außergerichtliche Phase?
Die außergerichtliche Phase passt, wenn noch keine Klage läuft und die Kanzlei zum Beispiel prüft, verhandelt oder ein Schreiben vorbereitet. Dann steht die Geschäftsgebühr im Vordergrund, nicht die gerichtliche Verfahrensgebühr.
Wie wirkt eine Rechtsschutzversicherung im Rechner?
Der Rechner zieht den eingetragenen Betrag vom Bruttogesamt ab. Das ist nur eine Eigenanteilsrechnung. Entscheidend bleiben Deckungszusage, Selbstbeteiligung, Wartezeit, Ausschlüsse und der Umfang der Kostenübernahme.
Kann Gewerkschaftsschutz die Kosten vollständig übernehmen?
Gewerkschaftsschutz kann den Eigenanteil stark senken, wenn Mitgliedschaft, Wartezeit und Rechtsschutzordnung passen. Der Rechner behandelt ihn wie eine Kostenübernahme, prüft aber keine Mitgliedschaft und keine internen Bedingungen.
Wann reicht der Rechner nicht aus?
Eine Einzelfallprüfung bleibt nötig, wenn der Streitwert festgesetzt wurde, mehrere Anträge ineinandergreifen, eine Honorarvereinbarung gilt, die Rechtsschutzdeckung unklar ist oder Fristen im Kündigungsschutz laufen.