Wie berechnet der Kältemittel-CO2e-Rechner das CO2-Äquivalent?
ƒCO2-Äquivalent aus Füllmenge, GWP, Leckage und Rückgewinnung
E=(m⋅l⋅y+m⋅(1−r))⋅GWP
Variablen
E
Szenario-CO2e-Direktes CO2-Äquivalent aus Leckage und Restverlust.
m
Füllmenge-Kältemittelmenge in Kilogramm.
l
Jährliche Leckagerate-Anteil der Füllmenge, der pro Jahr verloren geht.
y
Betriebsdauer-Betrachteter Zeitraum in Jahren.
r
Rückgewinnungsquote-Anteil der Füllmenge, der am Ende zurückgewonnen wird.
GWP
Global Warming Potential-Treibhauspotenzial des Kältemittels bezogen auf CO2.
Typische GWP-Werte für Kältemittel
Die Tabelle zeigt Planungswerte für häufige Kältemittel. Für verbindliche Dokumentation zählt der GWP-Wert aus Datenblatt, Anlagenbuch oder Herstellerangabe.
Kältemittel
GWP
Einordnung
R-744 CO2
1
Natürliches Kältemittel mit sehr niedrigem GWP.
R-290 Propan
3
Kohlenwasserstoff mit niedrigem GWP und besonderen Sicherheitsanforderungen.
R-1234yf
4
HFO-Kältemittel mit niedrigem GWP, etwa in Fahrzeugklimaanlagen.
R-32
675
Mittleres GWP, häufig in modernen Split-Klimageräten.
R-134a
1.430
HFKW-Kältemittel mit hohem GWP in älteren Kälte- und Klimasystemen.
R-410A
2.088
HFKW-Gemisch mit hohem GWP, oft in älteren Split-Klimaanlagen.
R-404A
3.922
Sehr hohes GWP, vor allem in älteren gewerblichen Kälteanlagen.
GWP-Werte unterscheiden sich je Bilanzstandard und Datenquelle. Der eigene GWP-Wert im Rechner ist deshalb bewusst editierbar.
Beispielszenarien für direkte Kältemittel-Emissionen
Die Szenarien zeigen, wie stark GWP, Leckage und Rückgewinnung zusammenwirken. Es geht nur um direkte Kältemittelverluste, nicht um Stromverbrauch der Anlage.
Fall
Kältemittel
Füllmenge
Leckage
Szenario
CO2-Kosten
Split-Klimagerät
R-410A
2,5 kg
3,0 % pro Jahr
2,35 t
140,94 €
Modernes R-32-Gerät
R-32
2,5 kg
3,0 % pro Jahr
0,76 t
45,56 €
Gewerbekälte mit R-404A
R-404A
25,0 kg
6,0 % pro Jahr
73,54 t
4.412,25 €
Kleine Anlage mit Propan
R-290 Propan
0,5 kg
2,0 % pro Jahr
0,00 t
0,03 €
Wenn verlorenes Kältemittel nachgefüllt wird, kann die Leckagemasse über die Betriebsdauer größer als die ursprüngliche Füllmenge werden.
Welche Eingabe das Ergebnis besonders verändert
Die Stellhebel helfen bei der Plausibilitätsprüfung. Kleine Änderungen bei Leckage oder Rückgewinnung wirken bei hohem GWP stark.
Bei gleicher Füllmenge ist R-404A um Größenordnungen kritischer als R-290.
Füllmenge
Skaliert Anlagenpotenzial, Leckage und Restverlust.
Große Kälteanlagen brauchen besonders saubere Anlagenbücher.
Leckage
Wirkt jedes Jahr und kann über Nachfüllungen kumulieren.
Dichtheitsprüfung und Ursachenanalyse sind meist wirksamer als reine Kompensation.
Rückgewinnung
Reduziert den Restverlust am Anlagenende.
Relevant bei Austausch, Stilllegung und fachgerechter Entsorgung.
Häufig gestellte Fragen zum CO2-Äquivalent-Kältemittel-Rechner
Was berechnet der CO2-Äquivalent-Kältemittel-Rechner?
Der Rechner schätzt das direkte CO2-Äquivalent eines Kältemittels aus Füllmenge, GWP, jährlicher Leckage, Betriebsdauer und Rückgewinnung. Er betrachtet damit die Klimawirkung von Kältemittelverlusten, nicht den Stromverbrauch oder die Gesamteffizienz der Anlage.
Was bedeutet GWP bei Kältemitteln?
GWP steht für Global Warming Potential und beschreibt, wie stark ein Kilogramm eines Stoffes im Vergleich zu einem Kilogramm CO2 wirkt. Ein Kältemittel mit GWP 2088 hat rechnerisch das 2.088-fache Treibhauspotenzial derselben Masse CO2.
Warum ist die Füllmenge so wichtig?
Die Füllmenge ist die Masse, die mit dem GWP multipliziert wird. Eine kleine Anlage mit hohem GWP kann relevant sein, aber bei großen Gewerbekälteanlagen wächst das Risiko schnell. Deshalb sollte die Füllmenge aus Typenschild, Anlagenbuch oder Wartungsunterlagen stammen.
Wie interpretiere ich die jährliche Leckagerate?
Die Leckagerate beschreibt, welcher Anteil der Füllmenge pro Jahr verloren geht. Der Rechner multipliziert sie mit der Betriebsdauer. Wenn Kältemittel regelmäßig nachgefüllt wird, kann die summierte Leckagemasse über mehrere Jahre größer als die ursprüngliche Füllmenge sein.
Was macht die Rückgewinnungsquote im Ergebnis?
Die Rückgewinnungsquote senkt den Restverlust am Ende der Betrachtung. Eine hohe Quote bedeutet, dass weniger Kältemittel bei Austausch oder Stilllegung verloren geht. Bereits entstandene Leckage während des Betriebs bleibt davon unberührt.
Warum kann ein Kältemittel mit wenig Masse trotzdem kritisch sein?
Bei hohem GWP zählt jedes Kilogramm stark. 2,5 kg R-410A entsprechen als vollständiges Füllmengenpotenzial bereits mehreren Tonnen CO2e. Deshalb können Wartung, Dichtheit und fachgerechte Rückgewinnung selbst bei kleinen Split-Geräten spürbar sein.
Kann ich mit dem Rechner natürliche Kältemittel vergleichen?
Ja. Kältemittel wie R-744, R-290 oder R-600a haben sehr niedrige GWP-Werte und zeigen im direkten CO2e-Modell deutlich kleinere Ergebnisse. Der Rechner bewertet dabei nur das Treibhauspotenzial des Kältemittels und keine Sicherheits-, Effizienz- oder Zulassungsfragen.
Welche Werte sollte ich bei einer bestehenden Anlage eintragen?
Nutze möglichst die reale Füllmenge und das konkrete Kältemittel aus dem Anlagenbuch. Für Leckage kannst du Wartungsdaten, Nachfüllmengen oder eine konservative Annahme verwenden. Die Rückgewinnung sollte zum geplanten Ausbau- oder Entsorgungsprozess passen.
Warum ist das Ergebnis kein vollständiger Klima-Fußabdruck der Anlage?
Der Rechner betrachtet nur direkte Emissionen aus Kältemittelverlusten. Für einen vollständigen Fußabdruck zählen auch Stromverbrauch, Laufzeit, Effizienz, Strommix, Herstellung, Wartung und Entsorgung. Trotzdem ist das direkte Kältemittel-CO2e oft ein wichtiger Hebel.
Wann sollte ich einen eigenen GWP-Wert verwenden?
Verwende den eigenen GWP-Wert, wenn dein Kältemittel, Gemisch oder Bilanzstandard nicht in der Liste steht oder wenn Herstellerunterlagen einen abweichenden Wert nennen. So vermeidest du, dass ein ähnliches, aber nicht identisches Kältemittel falsch bewertet wird.